Forum Stats

WIEN WEBCAM

WEBCAM WIEN

WIEN LINKS

WIENKULTUR Home WIEN Besucherzahlen WIEN Theater WIEN Geschichte WIEN Komponisten ÖSTERREICH Kaiser WIEN Bilder WIEN Sehenswertes WIEN Sights


WIEN Baumeister WIEN Ausstellungen MELANGE-Index VIENNA Top 10 VIENNA Events EURO 2008 Impressum
CITY MAP

HUNGERAUFKUNST

wien panorama


File: Geschichte WIEN
Description:
Author:
Date: 2009-03-20 22:45
Comments:
Ratings:

GESCHICHTE WIENS


Wien-logo

Die Römer in Wien

Vor rd. 2000 Jahren unterwerfen die Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus, Drusus und Tiberius das Königreich Noricum bis zur Donau. Wien wurde ca. 70 n. Chr. ein römisches Reiterlager namens Vindobona. Seine Blütezeit erreicht es von 193 bis 235 n. Chr. als wichtiger Warenumschlagplatz.

Mit der Völkerwanderung (375 bis 568), welche von den Hunnen ausgelöst und mit der Gründung eines italienischen Langobardenreiches beendet wurde, beginnen die dunklen Jahrhunderte Wiens.

Die Babenberger in Wien

Sieben Jahrhunderte vergehen bis unter dem Babenberger Markgraf Heinrich I. der Starke, 996 erstmals ostarrichi urkundlich erwähnt wird. Unter Leopold III. erlangen die Babenberger 1135 die Stadtherrschaft von Wien. Ein Jahr später erfolgt die Erstnennung von Austria.

Markgraf Leopold IV. macht Wien 1137 zur Stadt (civitas). Herzog Heinrich II. Jasomirgott macht Wien zur Residenzstadt (privilegium minus vom 17.9.1156). 1172 wird Wien erstmals als Weltstadt (civitas metropolitana) bezeichnet.

Unter Leopold V. (1177 bis 1194) erlebt Wien eine neue kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Bei der Rückkehr vom 3. Kreuzzug wird der König von England Richard Löwenherz gefangen genommen und ein immens hohes Lösegeld (50 t Silber) lukriert. In dieser Zeit wird ein Held geboren. Die Steuererhöhungen durch Prinz John und den Sheriff von Nottingham rufen Robin Hood zur Gegenwehr.

Das Ende der Herrschaft der Babenberger ist mit dem Tod des kinderlosen Friedrich II. der Streitbare besiegelt. Er fällt am 15.6.1246 bei der Schlacht an der Leitha im Kampf gegen die Ungarn.

Die Habsburger in Wien

Premysl Ottokar II. von Böhmen übernimmt die österreichischen Länder nach der kaiserlosen, schrecklichen Zeit (Interregnum). Das Großreich des Königs war dem Papst und dem deutschen Wahlkollegium zu mächtig, weshalb sie am 1.10.1273 den Grafen Rudolf von Habsburg zum Kaiser machen.

Wien das auf der Seite Ottokars kämpft, muß am 30.11.1276 kapitulieren. Die sechshundert Jahre dauernde Herrschaft der Habsburger beginnt.

Spannend wird die Geschichte wieder mit der Thronbesteigung des erst neunzehnjährigen Rudolf IV. der Stifter im Jahr 1358. Er fälscht das privilegium maius (österreichischer Freiheitsbrief) und läßt das privilegium minus verschwinden. Dieser Schwindel fliegt auf und führt fast zum Krieg mit seinem Schwiegervater Kaiser Karl IV.

In den kurzen sieben Jahren seiner Amtszeit gründet er die Wiener Universität, die damit nach Prag die zweite Universität im deutschsprachigen Raum wird, legt den Grundstein zum Umbau des Stefansdoms und führt Getränke- und Grundsteuer ein.

Nach seinem Tod am 27.7.1365 belehnt Kaiser Karl IV. Rudolfs Brüder Albrecht III. und Leopold III. gemeinsam mit Österreich und Steiermark. Dies führt 1379 zu einer Teilung der Habsburgerländer.

Erst Friedrich III. gelingt es die Einigung und die Einheit des Hauses Österreich wieder herzustellen. Er stirbt am 19.8.1493 in Linz.

Unter Maximilian I. der letzte Ritter versinkt Wien aufgrund einer nachteiligen Handelsordnung in der Bedeutungslosigkeit. Seine Heiratspolitik (TU FELIX AUSTRIA NUBE) macht die Habsburger aber zum mächtigsten Fürstengeschlecht Europas. Am 12.1.1519 stirbt der Kaiser in Wels.

Die von Ferdinand I. erlassene Stadtordnung vom 12.3.1526 führt zur Beschneidung der Bürgerrechte. Es gilt der Wille des Fürsten, das Ende des Mittelalters ist eingeläutet.

Aber es kommt noch schlimmer. Am 22.9.1529 steht das türkische Heer des Sultan Suleyman II. vor den Toren Wiens. Diese Übermacht von 300.000 Soldaten versucht vergeblich die Stadt zu nehmen. Vermutlich aus Sorge um den nahenden Winter geben die Türken am 14.10.1529 ihr Vorhaben auf und ziehen ab. Bei den erbitterten Kämpfen wird Graf Salm schwer verletzt. 3 Jahre vergehen bis mit dem Bau einer neuen Stadtbefestigung begonnen wird.

Unter Leopold I. (geb. 9.6.1640, gest. 5.5.1705) erlebt Wien weitere Schicksalschläge. So beginnt im Jänner 1679 die Pestepidemie. 50.000 Tote in Wien und 30.000 in den Vorstädten sind zu beklagen. Das Verlöschen der Seuche wird mit der Errichtung der Pestsäule am Graben gedankt.

Im Jahr 1683 stehen die Türken zum zweiten Mal vor den Toren Wiens. Sultan Mehmed IV. greift nach dem "Goldenen Apfel" um sein Herrschaftsgebiet Richtung Westen auszudehnen. Der Großwesir Kara Mustapha und 200.000 Osmanen stehen 17.000 Verteidigern gegenüber. 61 Tage leisten die Wiener erbitterten Widerstand. Not und Hunger lassen die Wiener Bevölkerung gebratene Katzen, sog. "Dachhasen" verzehren. 3 Tage vor Eintreffen des Entsatzheers stirbt der Bürgermeister von Wien Andreas von Liebenberg, am 9.9. an seinen Verletzungen und der Ruhr. Türkische Mineure sprengen die Burg- und Löwelbastei, die Einnahme Wiens steht kurz bevor.

Gerade noch rechtzeitig trifft das Entsatzheer mit 65.000 Soldaten ein und greift vom Leopoldsberg aus die Belagerer an. Herzog Karl von Lothringen und der Polenkönig Johann Sobieski schlagen gemeinsam mit Bayern, Schwaben, Sachsen, Franken und Polen am 12.9.1683 in einem 12 stündigen Kampf die Türken in die Flucht.

Dem damals noch einfachen Soldaten Prinz Eugen gelingt in den folgenden 3 Jahrzehnten die Zurückdrängung der Türken auf den Balkan und verhilft so den Habsburgern zur Rettung des Abendlandes.

Eine friedliche Zeit erlebt Wien unter Kaiser Joseph I. (geb. 26.7.1678, gest. 17.4.1711). Nach nur sechsjähriger Amtszeit folgt ihm sein Bruder Kaiser Karl VI. (geb. 1.10.1685, gest. 20.10.1740). Da sein Sohn kurz nach der Geburt stirbt sieht er sich veranlasst die Erbfolge neu zu regeln. Dies ermöglicht seiner Tochter Maria Theresia Walburga Amalia Christina die Thronfolge.

Unter seiner Regentschaft beginnt eine rege Bautätigkeit. Das Belvedere, die Karlskirche, das Bundeskanzleramt, die Hofstallungen, das Palais Schwarzenberg, die Porzellanfabrik, die Hofbibliothek, das bürgerliche Zeughaus, der Vermählungsbrunnen, die Winterreitschule und der Donnerbrunnen werden erbaut.

Nach seinem Tod am 20.10.1740 gelangt Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich auf den Thron. Friedrich II., König von Preußen marschiert ohne Kriegserklärung in Schlesien ein. Maria Theresia kämpft mit England gegen Preußen und Frankreich und verliert. Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) versucht sie, diesmal mit Hilfe der Franzosen, abermals vergeblich, Schlesien zurückzuerobern.

Am 18.8.1765 erliegt ihr geliebter Franz Stephan den Folgen eines Schlaganfalls. Seither trägt Maria ausschließlich schwarze Kleidung.

In der zweiten Reformperiode zentralisiert Maria die Verwaltung und setzt den Staatsrat ein. Der Jesuitenorden wird aufgelöst, die Bauern werden steuerlich entlastet, die Volksschule eingeführt und die Universität ausgebaut. Darüberhinaus wird die Folter abgeschafft.

Sie setzt die Bautätigkeit ihres Vaters fort. Neben dem Bau von Burgtheater, Schloß Schönbrunn und der Gloriette, der Salzgrieß- und Stiftskaserne, des Theresianums, der Universitätsaula und der Piaristenkirche, kommt es zur Öffnung des Praters für die Bevölkerung.

Am 29.11.1780 stirbt die Kaiserin nach 40 Jahren Regentschaft. Ihr Sohn Josef II. (geb. 13.3.1741, gest. 20.2.1790) war bereits seit 1765 Römischer Kaiser und mitregent. Er gilt als Begründer des österreichischen Beamtenstaates und als Anhänger der Aufklärung. Er hebt die Leibeigenschaft auf und sichert den Protestanten und Juden die freie Religionsausübung. Auch ein Besuch des Papstes Pius VI am 22.2.1782 kann die Kirchenreform nicht entschärfen. Josef II. läßt das Allgemeine Krankenhaus, Irrenanstalten und Armenhäuser errichten.

Nach seinem Tod übernimmt sein Bruder Leopold II. (geb. 5.5.1744, gest.1.3.1792) die Regentschaft. Er stirbt zwei Jahre später und wird von seinem Sohn Franz II. (geb. 12.2.1768, gest. 2.3.1835) beerbt. Als Kaiser von Österreich nannte er sich Franz I. Nach der Niederlage gegen Frankreich (Napoleon I.) bei Austerlitz (Dreikaiserschlacht) am 2.12.1805 verliert Österreich Tirol, Venetien und Vorderösterreich und erhält mit Friedensvertrag von Preßburg am 26.12.1805 Salzburg.

Franz II. legt die römische Kaiserkrone nieder. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (962-1806) ist besiegelt.

Am 9.4.1809 erklärt Österreich Frankreich den Krieg und wieder endet es fatal. Napoleon marschiert in Wien ein und residiert im Schloß Schönbrunn. Es gelingt den Österreichern unter Erzherzog Karl zwar ein Sieg in der Schlacht von Aspern, doch die Befreiung Wiens wird durch die Niederlage in der Schlacht bei Wagram verhindert. Frankreich gewinnt den Krieg und im Frieden von Schönbrunn am 14.10.1809 muß Österreich Salzburg, das Inn- und Hausruckviertel an Bayern abtreten. Frankreich erhält Triest, Teile Kärntens und Osttirol.

Am 17.10.1809 sprengt Napoleon die Basteien und kehrt Wien den Rücken. Kaiser Franz I. entläßt Graf Stadion und macht seinen Botschafter von Paris Graf Metternich zum Außenminister. Um die diplomatischen Beziehungen mit Frankreich zu verbessern wird die Tochter des Kaisers Marie Louise mit Napoleon vermählt. Die Hochzeit wird ohne den Bräutigam in der Augustinerkirche gefeiert.

Die von Napoleon 1806 verhängte Kontinentalsperre gegen England wird von Russland negiert, woraufhin Frankreich 1812 Krieg gegen Russland führt und Moskau einnimmt (Schlacht bei Borodino). Doch Hunger und Kälte sowie die Taktik der verbrannten Erde von General Kutusow zwingen Napoleon zum Rückzug.

Diese Niederlage läßt Wien wieder erstarken. Nach dem Scheitern des Friedenskongresses in Prag erklärt Österreich Frankreich abermals den Krieg. Mit Hilfe von Preußen, Russland und England gewinnt Kaiser Franz I. die Völkerschlacht bei Leipzig (14. - 18.10.1813. Paris wird besetzt und Napoleon dankt ab.

Kaiser Franz I. wird bei seiner Rückkehr aus Paris ein triumphaler Empfang in Wien bereitet und die Stadt bis in die Vorstädte festlich beleuchtet. Am 1.11.1814 tanzt der Kongreß. Unter dem Vorsitz von Staatskanzler Metternich wird Europa neu aufgeteilt. Könige, Fürsten und 468 Diplomaten aus 200 Staaten machen Wien für einige Monate zum Nabel der Welt.

Der Kongreß wird durch den Einzug von Napoleon in Paris für 100 Tage unterbrochen und nach der Schlacht bei Waterloo fortgesetzt. Der Kaiser der Franzosen stirbt 1821 auf St. Helena.

Zar Alexander I. von Russland, Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Franz I. schließen die Heilige Allianz um die Abkommen des Wiener Kongresses abzusichern. Die absolute Herrschaft ist wieder hergestellt, die Grenzen neu festgelegt. Österreich verzichtet auf Belgien, erhält Oberitalien, Dalmatien und Salzburg. Der deutsche Bund von 39 Staaten unter der Führung Österreichs tritt an Stelle des Deutschen Kaiserreichs. Metternich führt Zensur und Polizeistaat ein um die Emanzipation des Bürgertums und revolutionäre Ideen der Aufklärung im Keim zu ersticken.

Der Rückzug aus der Politik führt zur Pflege der schönen Künste. Die Zeit des Biedermeier beginnt. Wiener Kaffehäuser, Heurige und der Prater werden zum Mittelpunkt des Wiener Gesellschaftslebens. Das Theater erblüht. Grillparzer, Nestroy und Raimund sorgen für Begeisterung. Der Walzer wird zum beliebtesten Volkstanz. Strauß, Lanner aber auch Beethoven, Schubert und die Wiener Philharmoniker erfreuen das Wiener Publikum.

Nach dem Tod Kaiser Franz I. am 2.3.1835 wird sein erstgeborener Sohn und König von Ungarn Ferdinand I. der Gütige zum Kaiser gekrönt. Aufgrund seiner beschränkten Handlungsfähigkeit übt eine Staatskonferenz (u.a. Metternich) die Macht aus. Die Auflehnung gegen den Kaiser gipfelt in der Märzrevolution. Demonstrationen in der Herrengasse für eine neue Verfassung mit Volksvertretung führen zum Schießbefehl. Daraufhin werden Fabriken niedergebrannt und Beamte gelyncht. Dies führt zur Entlassung von Metternich und zur Verfassung von Pillersdorf, die allerdings ein Veto-Recht des Kaisers beinhaltet. Im Mai flüchtet der Kaiser und seine Familie vor der Revolution aus Wien nach Innsbruck. 

Nachdem die Truppen nicht gegen die Ungarn vorgehen und die Wiener Bürger die Meuterei unterstützen kommt es zu Straßenkämpfen. Wieder flüchtet die Kaiserfamilie aus Wien nach Ölmütz. Fürst Windischgrätz und die kaiserlichen Truppen beenden die Oktoberrevolution. Nun dankt Kaiser Ferdinand I. ab und sein erst achtzehnjähriger Neffe Franz Joseph besteigt am 2.12.1848 den Thron. In Ungarn sorgen die Kroaten unter Ban Jelacic mit russischer Hilfe für ein Ende der Aufstände und den Sieg des Absolutismus.

Geprägt von seinen persönlichen Erfahrungen in der Armee von Feldmarshall Radetzky in Norditalien war er der Überzeugung, dass nur ein starkes Militär den Fortbestand seines großen Reiches garantiert. Neben dem Militär bildet die Kirche den zweiten Eckpfeiler seiner Reichserhaltung. Sie erhält am 18.8.1855 die Selbstverwaltung über ihren Besitz, die Ehegerichtsbarkeit und den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Die letzten Reste des Josefinismus werden damit beseitigt. Erst durch die Maigesetze von 1868 wird der Machteinfluss der Kirche beschränkt und die Zivilehe wieder eingeführt. Unterrichts- und Erziehungswesen werden dem kirchlichen Einfluss entzogen und jeder Staatsbürger ab 14 darf seine Religion selbst wählen. 

Seine Regierungszeit wird von innen- und außenpolitischen Niederlagen bestimmt. Im Krimkrieg 1853 - 1856 stehen sich Russland und die Türken, unterstützt von Frankreich und England gegenüber. Österreich verhält sich neutral obwohl der Kaiser nur mit russischer Hilfe die aufständischen Ungarn 1849 niederschlagen konnte. Russland verliert den Krieg und Frankreich entwickelt sich zur Großmacht.

In Italien keimen Unabhängigkeitsbestrebungen die von Frankreich unterstützt werden. Bereits nach der verlorenen Schlacht von Solferino am 24.6.1859 steht der Kaiser vor seiner Abdankung. Die Habsburger werden aus Norditalien verdrängt. Die drohende Revolution wird durch Zugeständnisse des Kaisers und demokratische Ansätze verhindert. Ungarn widersetzt sich abermals dem Kaiser und verlangt nach Eigenstaatlichkeit. Diesem Drängen unter Ferenc Deak schlossen sich bald auch die Tschechen, die Kroaten und die Polen an, die ebenfalls die Verfassung boykottierten. Eine Entspannung der Situation versprach das Sistierungspatent vom 20.9.1865.

Im Krieg gegen Preußen (Zündnadelgewehr) verliert Österreich unter Benedek am 3.7.1866 die Schlacht bei Königgrätz. Österreichische Siege unter Erzherzog Albrecht bzw. Tegetthoff gegen Italien (Custozza und Lissa) bleiben unbelohnt. Im Frieden von Prag am 23.8.1866 erhält Italien Venetien, Preußen Holstein. Österreich scheidet aus dem Deutschen Bund und verliert seine Vormachtstellung an Preußen.

Der Ausgleich mit Ungarn führt zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn und zur Krönung Franz Josephs zum König von Ungarn am 8.6.1867. Graf Gyula Andrassy wird Ministerpräsident von Ungarn. Das Kaiserreich ist nun in zwei Reichshälften (Dualismus) gespalten, in Zisleithanien und Transleithanien. Die Slawen (Tschechen) sahen sich dadurch ihrer nationalen Hoffnungen beraubt, der Nationalitätenkonflikt wurde zu einem immer größeren innenpoltitischen  Problem des Kaisers. Sein Reich droht zu Zerfallen. Ein weiterer Schicksalsschlag ist die Ermordnung seines Bruders in Mexiko. Am 19.6.1867 wird Kaiser Maximilian von Mexiko standrechtlich erschossen.

Das erste vom Reichsrat beschlossene Gesetz, die Dezemberverfassung 1867 führt zur Machtteilung. Der Kaiser erhält ein Veto-Recht (Artikel 14). Das Parlament setzt sich aus zwei Kammern, dem Abgeordnetenhaus und dem Herrscherhaus, zusammen. Diese Verfassung regelt Grundrechte des Staatsbürgers, die Ministerverantwortlichkeit, Immunität der Abgeordneten, Autonomie der Länder und Gemeinden und die Gewaltentrennung in Judikative und Legislative.

Trotz der massiven Probleme des Vielvölkerstaates und der Niederlage gegen Deutschland erlebt Wien unter Franz Joseph eine kulturelle Blütezeit. Nach Schleifung der Basteien wird die Ringstraße angelegt und am 1.5.1865 vom Kaiserpaar feierlich eröffnet. Die Gründerzeit (1866 - 1873) ist die Zeit großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Expansion. Davon sind noch einige Ringstraßenpalais im Neo-Renaissance- oder im Neo-Barockstil erhalten. Die wichtigsten Architekten sind Heinrich Ferstel, Theophil Hansen aber auch Johann Romano und August Schwendenwein.

Der Eisenbahnbau wird vorangetrieben und die vom Bauboom angeheizte Jubelstimmung spiegelt sich an der Wiener Börse wieder. Die Aktienkurse steigen seit 1867, Spekulanten, Banken und Finanzgesellschaften verbreiten wirtschaftliche Hochstimmung.  Der Ringstraßenstil findet seine Fortsetzung mit dem Bau der Votivkirche (1856-1879), der Staatsoper (1861-1869), dem Museum für Angewandte Kunst (1864-1871), dem Kunst- und Naturhistorischem Museum, Rathaus, Parlament, Universität, Burgtheater und zuletzt der Neuen Hofburg (1881-1913). Diese Bauwerke werden dem Historismus zugeordnet.

Im Jahr 1873 waren lediglich 6% der Bevölkerung wahlberechtigt. Frauen hatten kein Mitbestimmungsrecht. Das Wahlrecht war mit einer Mindeststeuerleistung von 10 Gulden verbunden, wodurch der Großteil der männlichen Bevölkerung ebenfalls ausgeschlossen wurde.   

Unter Fürst Adolf von Auersperg wird die erste Wiener Hochquellenwasserleitung von Eduard Suess am 24.10.1873 eröffnet. Im selben Jahr wird die Wiener Weltausstellung im Wiener Prater gefeiert. Finanziell wird sie zum Desaster und am 9.5.1873 folgt der Schwarze Freitag an der Börse. Die Seifenblase zerplatzt mit lautem Knall und Panikverkäufe reissen Spekulanten und Banken in den finanziellen Ruin. Viele Börsianer begehen Selbstmord. Die Wirtschaftskrise wirkt sich auf die Wiener Bevölkerung mit einer Teuerungswelle aus.  Viele können sich keine Wohnung leisten und werden zu stundenweisen Bettgehern oder schlafen unter freien Himmel am Donaukanal. Die Donauregulierung erfolgt zwischen 1869 und 1875.

Am 8.3.1878 stirbt Franz Karl von Habsburg-Lothringen, der Vater des Kaisers. Im selben Jahr wird Bosnien-Herzegowina besetzt. Am 24.4.1879 feiern der Kaiser und die Kaiserin die Silberne Hochzeit. Den Festzug entlang der Wiener Ringstraße gestaltet Hans Makart. Die Tribünen und das Kaiserzelt vor dem äußeren Burgtor errichtet Otto Wagner.

Am 10.5.1881 heiratet Kronprinz Rudolf  Stephanie von Belgien. Die Vater-Sohnbeziehung  war wegen der liberalen Ansichten Rudolfs sehr angespannt. Am 30.1.1889 nimmt sich der Kronprinz und seiner Geliebten Mary Vetsera in Mayerling das Leben. Dadurch wird der ungeliebte Franz Ferdinand der Neffe Franz Josephs zum  Thronfolger. Seine Vermählung mit Gräfin Sophie Chotek führt zum endgültigen Bruch. Der Kaiser aktzeptiert schließlich die Ehe und verleiht Sophie den Titel Fürstin von Hohenberg. Sie wird aber nicht Mitglied der kaiserlichen Familie und ihre Kinder haben keinen Anspruch auf die Krone. Das veranlasst Franz Ferdinand gegen seinen Onkel zu oppunieren und er errichtet ein Schattenkabinett im Schloss Belvedere.

Die Situation der Arbeiter verschärft sich durch die zunehmende Industrialisierung. Kleine Gewerbebetriebe können mit Fabrikserzeugnissen aus Fließbandarbeit (Maschinenbau, Elektrotechnik, Textilien) nicht Schritt halten. Niedrige Löhne, 14 Stunden tägliche Arbeit, keine Absicherung im Krankheitsfall, Kinderarbeit und Wohnungsnot führen zur Etablierung von zwei politischen Parteien. Den Sozialdemokraten unter Führung von Viktor Adler und den Christlich Sozialen unter Karl Lueger, dem späteren Bürgermeister von Wien.

Der steigende Druck der Bevölkerung veranlasst den Kaiser  zur Wahlrechtsreform  und so unterfertigt er am 26.1.1897 die Entschließung zum allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht und damit die Abschaffung des Zensus. Zwei Monate später schafft Karl Lueger den Sprung auf den Bürgermeisterstuhl. Zuvor hat Kaiser Franz Joseph seine Zustimmung zur Wahl 4 mal verweigert. Vor allem die antisemitischen Äußerungen Luegers waren dem Kaiser zuwider. Letztlich beugte er sich aber und gab am 16.4.1897 seinen Sanktus.

In Luegers Amtszeit (bis 1910) werden Strassenbahn, Gas- und Elektrizitätswerke kommunalisiert. Er läßt die Stadtbahn (entlang Wienfluß heute U4, Gürtel heute U6 und Donaukanal U2) erbauen, errichtet Schulen und Spitäler, gründet die Zentralsparkasse und forciert den Bau der 2. Wiener Hochquellenwasserleitung bis 1910. Der kaisertreue, überzeugte Katholik stirbt unter großer Trauer der Wiener Bevölkerung am 10.3.1910.

Außenpolitisch setzt Österreich-Ungarn eine Einfuhrsperre von serbischem Schweinefleisch nach Österreich durch. Frankreich rettet die serbische Wirtschaft durch Übernahme der Exporte. Dieser Schweinekrieg von 1906 steigert den serbischen Haß auf Österreich. Im Jahr 1908 annektiert Österreich Bosnien und Herzegowina. Dies missfiel nicht nur Serbien das Anspruch auf diese Länder erhob, sondern auch Rußland, Großbritannien, Italien und der Türkei.  

Der Erste Weltkrieg

Zur weiteren Destabilisierung trugen die beiden Balkankriege 1912 und 1913 bei, die zu keiner Befriedigung der teilnehmenden Länder (Türkei, Bulgarien, Griechenland, Serbien, Montenegro und Rumanien) führten. Weitere Ursachen für den 1. Weltkrieg waren die Feindseligkeiten Österreichs mit Russland und Italien, sowie die deutschen Spannungen mit Frankreich und Großbritannien.      

Der österreichische Ministerpräsident Karl von Stürgkh befürwortet einen Präventivkrieg gegen Serbien und löst den Reichsrat mit 16.3.1914 auf. Seine Pläne werden durch die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo am 28.6.1914 durch den Serbischen Geheimbund (Schwarze Hand) durchkreuzt. Gavrilo Princip erschießt den Thronfolger und seine Gemahlin und löst dadurch den 1. Weltkrieg aus.

Österreich stellt Serbien ein Ultimatum das unter anderem die Aufklärung des Attentats unter Beteiligung österreichischer Beamter vorsah. Diesen Punkt konnte Serbien nicht aktzeptieren und so erklärt Österreich-Ungarn am 28.7.1914 Serbien den Krieg. Nun griffen die Bündnissysteme der europäischen Länder und führten zum 1. Weltkrieg.

Deutschland und Österreich-Ungarn schlossen 1879 ein Militärbündnis (Zweibund) das bei einem Angriff Russlands Unterstützung zusicherte und zur Neutralität bei Angriff eines anderen Staates verpflichtete. Drei Jahre später schlossen sie mit Italien den sogenannten Dreibund, wodurch ein französischer Angriff verhindert werden sollte.

Demgegenüber standen der französich-russische Zweibund von 1894, die Entente cordiale von 1904 zwischen Großbritannien und Frankreich, sowie die Triple Entente von 1907 zwischen Russland und England.

Am 1.8.1914 erklärt Deutschland Russland den Krieg, zwei Tage später Frankreich. Die Kriegserklärung Englands an Deutschland erfolgt am 4.8.1914. Mit dem Eintritt Japans und der USA (unter Präsident Wilson) in die Kampfhandlungen war der 1. Weltkrieg traurige Realität. Friedensbemühungen scheiterten und Italien wechselte 1915 die Seite zu den Siegermächten. Als Kaiser Franz Joseph am 21.11.1916 starb, versuchte Kaiser Karl I. einen Sonderfrieden für Österreich-Ungarn auszuhandeln um die Monarchie zu retten. Dieses Vorhaben scheiterte ebenso wie die Friedensbemühung des Papstes Benedikt XV.  Der Blutzoll des 1. Weltkrieges erreichte ein noch nie da gewesenes Ausmaß. Acht Millionen Tote und Neunzehn Millionen Verwundete waren bis Kriegsende zu beklagen.

Das Ende des 1. Weltkrieges am 3.11.1918 (Waffenstillstand in Padua) bedeutet gleichzeitig das Ende des Völkergefängnisses der Habsburger. Kaiser Karl dankt am 11.11.1918 ab und Karl Renner (1. Staatskanzler) ruft am 12.11.1918 die Republik Deutschösterreich aus. Am 16.2.1919 gewinnen die Sozialdemokraten die ersten Wahlen und bilden eine Koalition mit den Christlichsozialen.

Zwischenkriegszeit

Mit dem Friedensvertag von St. Germain vom 10.9.1919 zerfällt die Donaumonarchie und Österreichs Grenzen erlangen nahezu ihren heutigen Verlauf. Die Mittelmächte werden von den Verhandlungen ausgeschlossen und zur Unterzeichung gezwungen, weshalb man vom Diktatfrieden spricht. Zum einzig wahren Sieger wird dadurch Frankreich, das Elsaß Lothringen und das Saarland erhält und wieder eine Vormachtstellung in Europa einnimmt.

In Wien brechen harte Zeiten an. Nach Abzug von rd. 150.000 Menschen in die neuen Nationalstaaten bleiben Inflation, hohe Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot zurück. Das große Elend wird durch eine bemerkenswerte Sozial- und Gesundheitspolitik und der Schaffung von Gemeindewohnungen gelindert. Im Dezember 1924 wird die Schillingwährung eingeführt und löst die durch Inflation wertlos gewordene Krone ab.

Der soziale Frieden wird durch die wirtschaftliche Not und die innenpolitische Radikalisierung (Heimwehr vs Schutzbund) gefährdet. Schließlich entlädt sich am 15.7.1927 nach dem Freispruch im Schattendorf-Prozeß bei einer Demonstrationskundgebung der Unmut der Arbeiter. Beim gnadenlosen Polizeieinsatz gegen die aufgebrachte Bevölkerung kommen 89 Menschen ums Leben, über 600 werden verletzt. Der Justizpalast wird gestürmt und in Brand gesteckt.  

  







Fortsetzung folgt....

Page created in 0.024 seconds